SV Chemnitz Harthau e.V. - Handball

Chronik 1946-1965

Broschüre 20 Jahre Handball (1966)

Die Anfänge von 1946 bis 1954

Im Frühjahr des Jahres 1946 fanden sich einige Sportfreunde zusammen, unter denen auch einige ehemalige Handballer waren, um diese Sportart auch in unserem Vorort Altchemnitz/Harthau zu pflegen und wieder eine Männermannschaft aufzubauen. Übungsgelände hierzu war zunächst das Gebiet des ehemaligen Arbeitersportplatzes „Jahn“ in der Nähe der „Brettelbude“. Im Juli war es dann soweit und das erste Spiel auf dem Sportplatz neben der Spinnerei in der Schulstraße, konnte ausgetragen werden. Gegen die 2.Männermannschaft von Hilbersdorf gab es eine 3:5 Niederlage. Weitere Spiele gegen Schönau I und II, Ost, Bernsdorf, Borna und Rabenstein endeten mit wechselnden Erfolgen, schmiedeten aber die Mannschaft immer mehr zusammen.

Unvergessen ist das erste größere Auswärtsspiel in Wiederau im November 1946, wo wir als Chemnitz-Ost angekündigt waren und nach selbstorganisiertem Mittagessen (keiner unter 3 Teller), mit 8:7 erfolgreich blieben. Zum Spielerstamm dieses Jahres gehörten die zum Teil heute noch bekannten Spielern wie Lauckner, Dreißig, Walther, Schneider, Stützner, Voigt, Müller H. ,Lubojansky, Hofer, Wächtler H., Friedrich, Finsterbusch und Dietrich.

Es zeugte vom guten Geist der Mannschaft, daß trotz des Verlierens sämtlicher Punktspiele in diesem Jahr (0:32 Punkte !) ein auf Gedeih und Verderb verbundenes Kollektiv entstand, bei dem es kein Aufstecken gab. Zur Mannschaft stießen weitere Spieler wie Wächtler  G., Steinbach, Jähnichen und Frisch. Der Sportfreund Günther Wächtler war der weitaus beste Torschütze zu jener Zeit. Das Jahr 1948 gestaltete sich weitaus erfolgreicher. Weitere Zugänge ermöglichten die Bildung einer zweiten Männermannschaft, und mit der Verstärkung durch die ehemaligen Chemnitz-Ost Spieler Pastor und Güldner wurde der Aufstieg zur damaligen Liga geschafft . Dort wurde im Kampf mit den zum Teil sehr starken Mannschaften Schönau, Burgstädt, Zwönitz, Borstendorf, Lengefeld, Chemnitz-Ost, Oberlungwitz, Flöha und Oberlichtenau ein guter Mittelplatz erreicht. Eine spielstarke Jugend wurde Kreismeister, aus der so bekannte Spieler wie Spieler Zaumseil, Schüppel, Müller E., Heidenreich und Strohbach hervorgingen.

Aus der ehemaligen Bezirkssportgemeinschaft Altchemnitz war schon 1947 „Blauweiß Altchemnitz“ geworden. Im Jahre 1949 erfolgte dann die Gründung der BSG Baumwoll-Spinnerei, von welcher die Sektion Handball eine starke Säule darstellte.

Durch gute mannschaftliche Leistungen wurde der Aufstieg zur neugebildeten Landesliga Sachsen geschafft, der so namhafte Mannschaften wie Lok Dresden, Lok Pirna, Leipzig-Lindenau, Sportfreunde Leipzig, Weißwasser, Schleife und Lommatzsch angehörten. Zu diesen Spielen mussten meist viele Stunden lange strapaziöse Reisen, fast immer auf einem offenem LKW, unternommen werden, was jedoch den Ehrgeiz und die Unternehmungslust der Spieler nicht mindern konnte. Derbe Schlappen, aber auch stolz errungene Siege, gab es in diesen Jahren der Zugehörigkeit zur Landesliga.

Sieben Spiele führten wir in jenen Jahren in Westdeutschland durch. Aber auch die Empfänge westdeutscher Mannschaften auf unserem Platz in Harthau waren stets Höhepunkte nationaler Sportbegegnungen, wobei nur ein einziges Mal der Gegner das bessere Ende für sich hatte (Kassel-Oberzwehren). Beim Rückspiel in Kassel wurde auch dieser Gegner bezwungen.

Im Herbst 1953 finden wir die Mannschaft in der Bezirksliga mit Mannschaften wie Einheit Plauen, Fortschritt Werdau, Einheit Freiberg und Wilkau-Haßlau usw., wo in dieser starken Gegnerschaft ein dritter Platz erreicht wurde. Finanzielle staatliche Unterstützung ermöglichte es uns, in den Jahren 1953/54 Trainingslager von einer Woche Dauer in dem damaligen Betriebsferienheim Forsthaus Annaberg-Buchholz durchzuführen, wozu auch jüngere Spieler mit herangezogen wurden und die große Zeit der bis Ende der 60er Jahre aktiven Spieler Günther, S. und Büssow W. begann.

In den ganzen Jahren war die Mannschaft stets auch in der Halle ein gefürchteter Gegner. An vielen Turnieren, z.B. in Meißen, Radebeul, Großenhain, Glauchau, Thum und Wilkau-Haßlau wurde teilgenommen und es wurden dabei auch einige wertvolle Turniersiege errungen. Der wertvollste Sieg hierbei war wohl der im März 1955 in der Goethe-Turnhalle beim Turnier der BSG Einheit, wo im Endspiel der westdeutsche Gegner, die Hockeygesellschaft Nürnberg, mit 7:1 geschlagen wurde.

Die Jahre 1955 – 1965

Erste Männermannschaft

Bedingt durch den Abgang von mehreren Sportfreunden und die damalige ungenügende Jugendarbeit in unserer Sektion,  waren die beiden im Spielverkehr stehenden Männermannschaften in den Jahren 1954/55 stark geschwächt. Durch die Auflösung der Sektion Handball der BSG Motor Astra und den darauffolgenden Übertritt von 8 Sportfreunden in unsere Sektion, wurde diese Lage wieder verbessert und erbrachte besonders für die erste Mannschaft leistungsmäßig eine wesentliche Verstärkung. Dies zeigte sich dann auch in den nächsten Jahren bei den Punktspielen, wo unsere erste Mannschaft gute Erfolge erzielte. Im Jahre 1955 spielte unsere erste Männermannschaft im Feldhandball in der Bezirksliga und im Hallenhandball in der Kreisklasse.

Die weitere sportliche Entwicklung der Mannschaft wird nachstehend kurz aufgezeigt:
Feld  1955 – Bezirksliga
Halle 55/56 – Kreisklasse: Staffelsieger und Aufstieg in die Bezirksklasse. Ein weiterer Erfolg ist der zweite Platz beim „Wanderpokalturnier des Rates des Bezirkes“ hinter der HG Nürnberg
Feld  1956 – Bezirksliga: In der aus 2 Staffeln bestehenden Bezirksliga wurde in unserer Staffel der 2. Platz erreicht
Halle 56/57 – Bezirksklasse: 2. Platz
Feld  1957 – Bezirksliga: Obwohl wir von 10 Mannschaften den 6. Platz belegten, mußten wir in die Bezirksklasse absteigen, da nur noch eine Staffel der Bezirksliga bestehen blieb und damit die letzten 5 Mannschaften der beiden Staffeln absteigen mussten.
Halle 57/58 – Bezirksklasse: In diesem Jahr wurde souverän der Staffelsieg und ungeschlagen der Aufstieg in die Bezirksliga errungen. Außerdem wurde der 2. Platz beim „Wanderpokalturnier des Rates des Bezirkes“ hinter Dynamo Halle und vor der HG Nürnberg erreicht. In dieser Saison wurden von 39 Hallenspielen 36 gewonnen, 1 verloren und 2 unentschieden gestaltet. Achtmal wurde ein Turniersieg errungen.Der Stamm dieser erfolgreichen Mannschaft bestand aus den Spielern Zaumseil, Ludwig, Günther S., Müller E., Roder, Otto, Adam und Gerbeth.
Feld  1958 – Bezirksklasse: 2. Platz
Halle 58/59 – Bezirksliga: 4. Platz und 7 Turniersiege bei teilweise stark besetzten Turnieren
Feld  1959 – Bezirksklasse: 4. Platz
Halle 59/60 – Bezirksliga: Das erfolgreichste Jahr für unsere Hallenmannschaft. Nach Beendigung der Punktspiele mußte der Bezirksmeister in einer zweimaligen Ausscheidungsrunde zwischen Freiberg, Schönau und uns ermittelt werden, ehe Schönau dann den Titel holte.Die Mannschaft setzte sich aus Zaumseil, Roder, Gerlach V., Gerlach G., Günther S., Büssow, Adam, Berger, Otto, Mähner M. und Müller E. zusammen.
Feld  1960 – Bezirksklasse: Staffelsieger und Aufstieg in die Bezirksliga erreicht.
Halle 60/61 – Bezirksliga: Abstieg in die Kreisliga.
Feld  1961 – Bezirksliga
Halle 61/62 – Kreisliga: Durch Verjüngung der Mannschaft wurde der Titel des Kreismeisters errungen und bei den Aufstiegsspielen der 2. Platz belegt, der wieder den Aufstieg in die Bezirksliga erbrachte.
Feld  1962 – Bezirksliga
Halle 62/63 – Bezirksliga: 3. Platz
Feld  1963 – Bezirksliga: Abstieg in die Kreisliga.
Halle 63/64 – Bezirksliga
Feld  1964 – Kreisliga: Obwohl wir unangefochten Staffelsieger wurden, konnten wir uns bei den Aufstiegsspielen nicht durchsetzen. Durch die Neubildung der Bezirksklasse kommen wir automatisch in diese Spielklasse.
Halle 64/65 – Bezirksliga
Feld  1965 – Bezirksklasse
Halle 65/66 – Bezirksliga

Zweite Männermannschaft

Sie bestand aus älteren und erfahrenen Spielern und jüngeren Spielern, die aus der Jugend kamen. Vernachlässigte Jugendarbeit, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre, führte dazu, dass 1963 acht Spieler der Mannschaft zwischen 32 und 46 Jahre alt waren. Die zweite Mannschaft spielte in der Halle und auf dem Feld in der  I. Kreisklasse. Lobenswert ist, daß viele ehrenamtliche Helfer und Funktionäre für den Verein aus dieser Mannschaft kamen.

Frauen

Nachdem die gute Entwicklung im Frauenhandball, die ab 1946/47 begann, am Anfang der 50er Jahre wieder eine negative Tendenz einnahm, war in den Jahren bis 1958 der Frauensport in unserer Sektion leistungsmäßig sehr großen Schwankungen unterworfen.

Mit dem Übertritt der Frauenmannschaft der BSG Motor Tewa wurde in unserer Sektion ab November 1958 wieder eine leistungsstarke Frauenmannschaft aufgebaut, die in dieser Zeit in der Bezirksliga spielte. Durch mehrmaligen Trainerwechsel, berufliche Gründe und Heirat wurde diese Mannschaft bereits in den folgenden zwei Jahren ständig geschwächt und der Klassenerhalt konnte nicht mehr gesichert werden. Im Jahre 1961 musste die Frauenmannschaft leider aufgelöst werden, da nur noch 6 aktive Spielerinnen übrig geblieben waren.

Der Grund für diese negative Tendenz ist nicht allein im Verhalten dieser Sportlerinnen, sondern auch darin zu sehen, dass sich aus den Reihen unserer damaligen Vereinsmitglieder niemand bereit erklärte, diese Spielerinnen zu trainieren und aus dem bestehenden Potential eine schlagkräftige Mannschaft zu formen.

Aus der Jugendarbeit

Als am 20. Februar 1965 unsere Jugendmannschaft durch einen verdienten 17:15 Erfolg über die Vertretung von Fortschritt Oberlungwitz den Kreismeistertitel im Hallenhandball der männlichen Jugend errang, war das ein erster Höhepunkt unserer verstärkten Jugendarbeit. Dieser Erfolg kam nicht zufällig, hat doch unser Verein seit 1963 den Kinder- und Jugendsport in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt.

Der Kreismeistertitel war der krönende Abschluss der glänzenden Saison 1964/65, in deren Verlauf unsere Jugendvertretung nur 2 Spiele verlor. Nachdem sie von Turniersieg zu Turniersieg geeilt war, erkämpfte sie die Kreismeisterschaft und damit den lang erhofften Aufstieg in die Jugendbezirksliga. Nicht ganz so erfolgreich war die Mannschaft bei Feldspielen, denn sie konnte immer nur Mittelfeldplätze belegen. Zum Stamm dieser Mannschaft gehörten ständig  15- 20 Spieler, so dass immer ein gesunder Konkurrenzkampf die spielerischen Leistungen beflügelte.

Außerdem bestanden damals noch je eine männliche A und B Pioniermannschaft mit insgesamt 20 Spielern und eine Mädchenmannschaft mit 30 Mitgliedern. Bei den Hallen- und Kleinfeldspielen schnitten unsere Kindermannschaften immer recht erfolgreich ab und belegten in ihren Staffeln stets vordere Plätze. Die größten Erfolge hatten dabei unsere Knaben, die in der Halle und auf dem Feld je einmal Vize-Kreismeister wurden und voller Stolz ihre Meisterschaftsplaketten in Empfang nahmen.

Pioniere und Förderer der Handballsportes

Für Publikum und Zuschauer sind es die herausragenden Spieler, die im Mittelpunkt stehen. Für den Aufbau einer Mannschaft, die Organisation von Spielen, die Integration in den Sportverein und vieles mehr ist viel Hintergrundarbeit erforderlich.
Stellvertretend für all die Unermüdlichen der Jahre 1946 bis 1965 sollen folgende Sportfreunde genannt sein:
Karl Schäfer, Herbert Dreißig, Gerhard Finsterbusch, Erich Schneider, Hans Lindner, Walter Zimmer, Helmut Adam, Siegfried Weigel